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Dienstag, 23. Dezember 2014

Modemarke Mexx ist insolvent

Nach dem niederländischen Mutterkonzern haben jetzt auch die deutschen Töchter des Modehändlers Mexx Insolvenz angemeldet. Rund 500 Beschäftigte sind betroffen.
Zukunft ungewiss
 
Gut zwei Wochen nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens über die niederländische Muttergesellschaft sind nun auch die deutschen Gesellschaften des Modeunternehmens Mexx zahlungsunfähig. Das Unternehmen mit Sitz in Korschenbroich bei Mönchengladbach hat beim Amtsgericht Düsseldorf einen entsprechenden Antrag gestellt.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde die auf Insolvenzverwaltung spezialisierte Düsseldorfer Sozietät Kreplin & Partner bestellt. Die Mexx Modehandels GmbH betreibt hierzulande derzeit rund 35 Läden und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Wegen der schwierigen Situation im Modemarkt seien die Umsätze von im Geschäftsjahr 2013 noch rund 40 Millionen Euro zuletzt weiter gesunken, teilt die Insolvenzverwaltung mit.

Die deutsche Gesellschaft erhalte wegen der angeschlagenen wirtschaftlichen Situation des Mutterkonzerns derzeit auch keine finanzielle Unterstützung mehr aus den Niederlanden. Ob es möglich sein wird, die Modekette zu sanieren, sei unsicher, so der Insolvenzverwalter. In den nächsten Wochen soll der Geschäftsbetrieb aber zunächst fortgeführt werden. Die Löhne sind dabei über das Insolvenzgeld abgesichert.

Das Mitte der 1980er Jahre in Amsterdam gegründete Modeunternehmen gehört mehrheitlich dem amerikanischen Finanzinvestor The Gores Group, der die Beteiligung vor gut drei Jahren von der Modeunternehmen Liz Claiborne erworben hatte.
 
Quelle: F.A.Z.

Firma Bender: Insolvenz beantragt

nja - Ein Ferndorfer Traditionsunternehmen, die Bender-Ferndorf Rohr GmbH, hat beim Amtsgericht Siegen Insolvenz beantragt. Die Belegschaft, so erfuhr die SZ aus den Reihen der Angestellten, wurde am Freitagmorgen von Geschäftsführer Dr.-Ing. Hans-Heinrich Schmütsch in einer Versammlung informiert und habe anschließend den Betrieb verlassen müssen. Somit sehen rund 75 Mitarbeiter mit großer Sorge in die Zukunft.

Rechtsanwalt Andreas Pantlen als vorläufiger Insolvenzverwalter

Im Insolvenzeröffnungsverfahren, so ist der Homepage des Amtsgerichts Siegen zu entnehmen, wurde am Montag Rechtsanwalt Andreas Pantlen aus Hennef zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Versuche, Geschäftsführer Dr. Schmütsch und den Insolvenzverwalter telefonisch zu erreichen, waren von keinem Erfolg gekrönt. Und auch bei der IG Metall waren (noch) keine Hintergrundinformationen zu erhalten.

Rohrbranche mit Problemen

Ob und wie es am Ferndorfer Mühlenweg weitergehe, so berichtete einer der Betroffenen, Qualitätsstellenleiter Hans-Dieter Kiel, entscheide sich wohl Anfang des Jahres. Für den 5. Januar habe der Insolvenzverwalter zu einer Betriebsversammlung eingeladen. So richtig überraschend sei das Insolvenzverfahren nicht gekommen; die Rohrbranche habe seit geraumer Zeit große Probleme. Doch habe man bis zuletzt auf den Gesellschafter gehofft.

Angespannte Situation in der Branche

Betriebsratsvorsitzender Matthias Schneider bekräftigte dies, hegt aber auch die Hoffnung, dass „es weiter geht“. Die Situation in der Branche sei „sehr angespannt“, die internationale Konkurrenz, „insbesondere in China, in der Türkei und in Griechenland“ sei „wesentlich größer“ geworden – zum Teil auch mit Hilfe von Subventionen. Der vorläufige Insolvenzverwalter sei bereits vor Ort gewesen; für Dienstag sei ein Gespräch mit dem Betriebsrat anberaumt.

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Reform der Insolvenzanfechtung rückt näher

Von Stefan Lange/ finanzen.net 17.12.2014

BERLIN--Die lange Zeit umstrittene Reform der Insolvenzanfechtung kommt wieder voran. Union und SPD hätten erneut Gespräche mit dem Bundesjustizministerium aufgenommen, erklärten die zuständigen CDU-Experten Elisabeth Winkelmeier-Becker und Heribert Hirte am Mittwoch in Berlin. "Wir begrüßen, dass das SPD-geführte Bundesjustizministerium an den Verhandlungstisch zurückgekehrt ist und die überfällige Reform der Insolvenzanfechtung nun zum Greifen nah ist", sagte Winkelmeier-Becker.
 
 Hirte erklärte, im Mittelpunkt der Reform werde "eine zielgenaue Begrenzung der sogenannten Vorsatzanfechtung" stehen. Rückforderungen eines Insolvenzverwalters können demnach künftig nicht mehr darauf gestützt werden, dass der Gläubiger dem Schuldner mit einer Stundung oder einer Ratenzahlungsvereinbarung über eine kurzfristige Liquiditätslücke hinweggeholfen hat. Auch soll die Frist für die Anfechtung solcher Fälle von zehn auf vier Jahre verkürzt werden.
 
 Zudem soll eine Rückforderung weitergehender als bisher ausgeschlossen sein, wenn der Leistung des Schuldners eine gleichwertige Gegenleistung des Gläubigers gegenübersteht (sogenannte Bargeschäfte), wie Hirte erklärte. Damit soll auch sichergestellt werden, dass Arbeitnehmer vor einer Rückforderung von Löhnen geschützt sind, soweit diese die Gegenleistung für eine Arbeitsleistung innerhalb der vergangenen drei Monate darstellen.

Änderungen zur Anfechtung von Zahlungen im Rahmen einer Zwangsvollstreckung wollen CDU und CSU nicht. "Mit der Union wird es hier keine Änderung geben, die Fiskus, Sozialkassen oder Banken gegenüber der jetzigen Rechtslage besserstellt", erklärte Hirte und Winkelmeier-Becker.

Quelle: http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Reform-der-Insolvenzanfechtung-rueckt-naeher-4088008

Creditreform erwartet mehr Insolvenzen für 2015

Von Desirée Backhaus/ Finance Magazin
So wenige Insolvenzen wie 2014 gab es laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform seit 15 Jahren nicht mehr. Vor allem Großunternehmen zeigten sich dank günstiger Finanzierungsbedingungen und der guten konjunkturellen Lage stabil. Doch das Pendel droht umzuschlagen: Für das kommende Jahr rechnet Creditreform mit mehr Insolvenzen.

Unschöner Rekord: Weltbild legte die größte Pleite des Jahres hin. Inzwischen hat die Verlagsgruppe aber einen neuen Investor gefunden.
Mit Rena, Mifa, Strenesse und Zamek sind in diesem Jahr schon neun Emittenten von Mittelstandsanleihen in die Insolvenz geschlittert. Doch die Pleitewelle am Minibondmarkt ist keinesfalls ein Spiegel für die gesamte Unternehmenslandschaft – im Gegenteil: 2014 ist die Anzahl Insolvenzen auf ein 15-Jahres-Tief gesunken. Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform meldeten in diesem Jahr 23.800 Unternehmen Insolvenz an, 9 Prozent weniger als im Vorjahr (26.120).

Die Daten gehen einher mit dem gerade veröffentlichten FINANCE Restrukturierungsbarometer: Die Umfrage unter Bankern aus den Sanierungsabteilungen erbrachte den größten Rückgang neuer Restrukturierungsfälle seit der erstmaligen Erhebung vor gut zweieinhalb Jahren.

Niedrigzinsen und stabile Konjunktur sorgen für weniger Insolvenzen

Die Ursachen für den Rückgang der Insolvenzen liegen auf der Hand. So sind die Finanzierungsbedingungen für Unternehmen dank des Niedrigzinsumfeldes derzeit so gut wie lange nicht mehr. Den Vorwurf, dass die EZB mit ihrer lockeren Geldpolitik einige Unternehmen künstlich am Leben erhält – und somit Zombies fördert – will Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer von Creditreform aber nicht gelten lassen: „Es profitieren vor allem die Unternehmen mit erstklassigen Bonitäten. Denn auch in der Niedrigzinsphase spiegelt der Kreditzins das Risiko wider.“ Der Vorwurf trifft vermutlich eher auf Unternehmen aus der Euro-Peripherie als aus Deutschland zu.

Noch entscheidender für die sinkende Zahl der Pleiten war jedoch die stabile konjunkturelle Lage in Deutschland. Allerdings zeichnet sich bereits seit Mitte des Jahres eine Wirtschaftsflaute ab. „Seit sechs Monaten stagniert die deutsche Wirtschaft de facto, dieser Umstand wird 2015 zu steigenden Insolvenzen führen“, sagt Ulbricht. Auch der Ukraine-Konflikt und das Russland-Embargo würden dann stärker zum Tragen kommen. Für das kommende Jahr rechnet Creditreform deshalb erstmals seit fünf Jahren wieder mit einem Anstieg der Unternehmenspleiten auf 24.000 bis 25.000.

Gläubiger müssen sich 2015 auf mehr Pleiten einstellen

Die Gläubiger, allen voran Banken und Lieferanten, müssen sich daher im nächsten Jahr wieder auf steigende Schäden einstellen. Für die Geschädigten war 2014 ein gutes Jahr: Gläubiger werden durch Unternehmensinsolvenzen wohl 18,8 Milliarden Euro verlieren, schätzt Creditreform. In den letzten zehn Jahren waren die Schäden nur einmal, im Jahr 2011, niedriger. Damals lagen sie bei mit 15,4  Milliarden Euro.

Einer der Gründe ist die Tatsache, dass 2014 vor allem Kleinunternehmen in die Pleite schlitterten. Unter den Firmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz gab es 2014 nur 90 Insolvenzen, 30 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Die größte Pleite des Jahres gemessen an der Zahl der Mitarbeiter traf laut der Wirtschaftsauskunftei die Verlagsgruppe Weltbild. Diese hat inzwischen der Turnaround-Investor Droege Group übernommen. Mit dem Maschinenbauer Rena und dem Fahrradhersteller Mifa sind aber auch zwei Minibond-Emittenten unter den Top-10-Insolvenzen, ebenso wie die aufsehenerregende Pleite des Windparkprojektierers Prokon zu Beginn des Jahres.

Als besonders ausfallgefährdet gelten laut Creditreform derzeit Unternehmen in den Branchen Textil, Getränke und Luftfahrt. Insgesamt hält die Wirtschaftsauskunftei 100.000 deutsche Unternehmen für gefährdet. 2015 könnte diese Zahl steigen.

Quelle: Finance Magazin /Creditreform

http://www.finance-magazin.de/maerkte-wirtschaft/deutschland/creditreform-erwartet-mehr-insolvenzen-fuer-2015/

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Rubel im Abwärtstaumel: Ursachen und Folgen der Währungskrise

Quelle FAZ/DPA 17.12.2014

Die Rubel-Krise sorgt innerhalb und außerhalb Russlands für viel Nervosität. Die Russen halten ihre Währung aktuell für deutlich unterbewertet. Aber wie schlimm ist die Lage wirklich?
Am Dienstag war ein Euro zeitweise 100 Rubel wert.
Der russische Rubel stürzt ins Bodenlose. Daran hat auch eine radikale Anhebung des Leitzinses durch die russische Notenbank nichts geändert. Auch an den russischen Aktien- und Anleihemärkten machte sich zeitweise Panik breit. Trotz unterschiedlicher Ursachen erinnert die Situation an die schwere Rubelkrise im Jahr 1998.

Was sind die Hauptgründe für die Talfahrt des Rubel?

Belastet wird der Rubel vor allem durch den Einbruch der Rohölpreise. Mittlerweile beträgt der Rückgang seit dem Sommer rund 45 Prozent. Energie ist das wichtigste Exportprodukt Russlands. Die Sanktionen des Westens wegen des Ukraine-Konflikts haben die russische Wirtschaft zusätzlich hart getroffen. Das russische Einfuhrverbot für Lebensmittel aus der Europäischen Union (EU) treibt zudem die Preise in Russland nach oben. Die höhere Inflation schwächt die Währung zusätzlich.

Wie hart ist die russische Wirtschaft betroffen?

Unabhängig vom Ölpreisverfall hat die russische Wirtschaft bereits in den vergangenen Jahren an Dynamik verloren. Die angestrebte Modernisierung machte Experten zufolge kaum Fortschritte. Für das kommende Jahr befürchtet die russische Notenbank eine Rezession und spricht gar von einem möglichen Einbruch der Wirtschaft um bis zu 4,5 Prozent.

Wie wirkt sich der Rubelverfall in Russland aus?

Importierte Waren werden durch den rapide fallenden Wechselkurs immer teurer. Die steigende Inflationsrate belastet die russischen Verbraucher. Auch werden Investitionen von ausländischen Unternehmen in Russland immer unattraktiver. Die Kapitalflucht hat zuletzt deutlich zugenommen. Bei Krediten russischer Unternehmen, die in anderen Währungen aufgelegt wurden, wird die Rückzahlung teurer. Vor allem die Banken haben hohe Auslandsschulden. Hinzu kommen die höheren Zinsen, sie sind Gift für die Konjunktur.

Kann man die Lage mit der Russlandkrise 1998 vergleichen?

Vor 16 Jahren konnte die russische Regierung den künstlich gesetzten Rubelkurs nicht länger verteidigen und musste nach der folgenden, starken Abwertung der Währung die Rückzahlung ausländischer Schulden aussetzen. Am 26. August 1998 fiel der Rubel-Kurs im Verhältnis zum Dollar an einem Tag um 26,59 Prozent. Auch damals belastete ein niedriger Rohölpreis die russische Wirtschaft.
Im Unterschied zu heute war Russland jedoch hoch verschuldet und hatte Defizite im Außenhandel. Das Verhältnis zum Westen war jedoch deutlich besser als heute, und der Internationale Währungsfonds (IWF) gewährte Hilfskredite. Dank der wachsenden Rohstoffexporte hatte sich die russische Wirtschaft ab dem Jahr 2000 wieder erholt.

Droht Russland der Staatsbankrott?

Die Notenbank verfügte Anfang Dezember über Devisenreserven im Wert von noch 416 Milliarden Dollar. Zwar sind sie seitdem weiter gesunken, Zahlungsausfälle erscheinen aber zunächst unwahrscheinlich. Die Staatsverschuldung liegt im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt mit 13 Prozent im internationalen Vergleich sehr niedrig. In den Vereinigten Staaten liegt der Schuldenstand bei 108 Prozent. Durch den Verfall des Rubel sind die Risikoaufschläge für russische Anleihen jedoch gestiegen, und die Refinanzierung des Staates wird teurer.

Wie abhängig ist Russland vom Ölpreis?

Der Staatshaushalt wird zu einem großen Teil von den Einnahmen der Erdölkonzerne wie Gazprom und Rosneft bestritten. Die fallenden Erdölpreise mindern hier die Einnahmen. Ökonomen vermuten, dass Russland langfristig einen Rohölpreis von 100 Dollar je Barrel braucht, um einen ausgeglichenen Haushalt zu behalten.

Kann die Notenbank durch Zinserhöhungen die Währung stabilisieren?

Die drastische Zinserhöhung durch die russische Notenbank, die am späten Montagabend die Zinsen um 6,5 Prozentpunkte auf 17 Prozent anhob, hat die Talfahrt am Dienstag nur kurzzeitig gebremst. Bereits zuvor waren Interventionen am Devisenmarkt verpufft. Selbst die russische Notenbankchefin Elvira Nabiullina erwartet nicht, dass der Kurs kurzzeitig von der Zinserhöhung beeinflusst wird.

Was kann Russland jetzt noch tun?

Am Mittwoch begann auch das Finanzministerium damit, einen Teil seiner Devisenreserven zu verkaufen. Dies stützte den Rubelkurs vorübergehend. „Der Druck der Märkte könnte die russische Notenbank zu einer weiteren Leitzinserhöhung veranlassen“, erwartet Commerzbank-Volkswirt Simon Quijano-Evans. Zudem dürfte die Notenbank weiter am Devisenmarkt intervenieren, um die Währung zu stabilisieren. „Auch die Zentralbanken in Westeuropa sollten ein großes Interesse daran haben, dass sich die Turbulenzen im Rubel beruhigen, da das europäische Bankensystem stark in Russland engagiert ist“, schreibt Quijano-Evans.

Hat der Rubelverfall auch gute Seiten?

Der schwächere Rubel mildert die negative Wirkung der sinkenden Ölpreise ab. Da Rohöl in Dollar gehandelt wird, erhalten die russischen Rohstoffexporteure mehr Rubel für ein Barrel Rohöl.

Wir verhalten sich die Russen - gibt es Panik?

Die Unsicherheit ist zwar groß, aber die Russen reagieren bisher vergleichsweise gelassen - wohl auch mit Blick auf die Reserven des Landes. Auch weil durch die Rohstoffverkäufe weiter Geld ins Land fließt, gilt die Lage für eine Krise als noch ziemlich komfortabel. Teilweise horteten Russen Lebensmittel, weil sie einen weiteren Preisanstieg befürchten. Und es gibt weniger Westreisen - rund 16 Prozent weniger Russen haben etwa deutsche Visa beantragt im Vergleich zu den vorigen Neujahresferien.
Der Rubelkurs ist auch deshalb im Dezember so unter Druck, weil viele Unternehmen traditionell zum Jahresende Auslandsschulden begleichen müssen. Es handelt sich um etwa 30 Milliarden Dollar (24 Milliarden Euro). Der Bedarf an Devisen ist deshalb jetzt gerade sehr hoch. Schon im Januar erwarten Experten einen massiven Rückgang der Nachfrage.

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/rubel-ursachen-folgen-von-russlands-waehrungskrise-13326965.html 

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Politische und wirtschaftliche Risiken steigen

Kreditversicherer als Risikonavigatoren

Quelle: Redaktion RiskNET 04.12.2014, 13:43

Zwischen der Lieferung einer Ware oder Dienstleistung und der Bezahlung liegen nicht selten 30 bis 180 Tage. In diesem Zeitraum kann auf der Seite der Kunden viel passieren. Über dem Unternehmen schwebt daher immer das Damoklesschwert eines Forderungsausfalls, denn Zahlungsziele sind im Kern Kredite, die ein Lieferant seinen Kunden zur Verfügung stellt. Dies bindet nicht nur Liquidität, sondern erhöht das gesamte Risikoportfolio des Unternehmens. Bei der Warenkreditversicherung – die auch als Delkredere-Versicherung oder Forderungsausfallversicherung bezeichnet wird – ist der Ausfall von Forderungen bei Warenlieferungen oder Dienstleistungen versichert. Damit reduziert eine Warenkreditversicherung vor allem die wirtschaftlichen und politischen Risiken eines Unternehmens. Gleichzeitig wird die Risikotragfähigkeit erhöht, da die Kreditversicherung als eine Art Kapitalsubstitut dient. Teures Eigenkapital wird durch den Versicherungsschutz substituiert. Ein solcher Zahlungsausfall kann etwa durch die Insolvenz eines Kunden verursacht werden oder auch weil dieser nicht entsprechend der vereinbarten Konditionen zahlt.

Im Kern kombiniert eine Warenkreditversicherung Finanz- und Versicherungsdienstleistungen in einem Produkt. Zunächst führt der Kreditversicherer eine Risikoanalyse in Form einer Bonitätsanalyse des Abnehmers durch. Die Basis hierfür liefern komplexe Risikoanalyse- und Ratingtools, die auf vielfältigen Informationen (etwa Bankauskünfte, Veröffentlichungen im Bundesanzeiger, eigene Analysen und Zahlungserfahrungen) basieren. Bereits diese Analyse stellt aus der Sicht des Unternehmens eine Art Frühwarnfunktion dar. Liefert die Analyse ein positives Ergebnis, wird der Kreditversicherer den Versicherungsschutz bis zu einer bestimmten Höhe ("Limit") gewähren. Bis zur Höhe dieser Deckungssumme gelten die offenen Posten aus Lieferungen und Leistungen als versichert. Gerät der Abnehmer in Zahlungsverzug oder wird er gar zahlungsunfähig, leistet der Kreditversicherer eine entsprechende Entschädigungsleistung.

Kreditversicherer rechnen mit Zunahme der Unternehmensinsolvenzen

Das Deckungsvolumen der Warenkreditversicherer erzielte zum Ende des dritten Quartals 2014 die Rekordmarke von 387 Milliarden Euro, das waren 5,4 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Das Deckungsvolumen gibt die Höhe des versicherten Warenwerts an. Zudem übernahmen die Kautionsversicherer Bürgschaften und Garantien in Höhe von rund 40 Milliarden Euro (+ 3,8 Prozent). "Die Kreditversicherer sichern ihren Kunden Liquidität und ermöglichen Wachstum – auch und gerade in einem schwierigen ökonomischen und geopolitischen Umfeld", sagte Ralf Meurer, Vorsitzender der Kommission Kreditversicherung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Der Schadenaufwand der Kreditversicherer betrug in den ersten neun Monaten rund 423 Millionen Euro (- 33,7 Prozent), für Altfälle aus den Vorjahren zahlten die Versicherer weitere 269 Millionen Euro (+ 45,7 Prozent). Von der Zahlungsunfähigkeit waren vor allem kleine und mittlere Unternehmen betroffen, darunter so namhafte wie das Modehaus Strenesse, der Weltbild-Verlag oder die Mitteldeutschen Fahrradwerke MIFA. Insolvenzen von Großunternehmen gab es in diesem Jahr nur wenige. Für das Gesamtjahr 2014 gehen die Kreditversicherer von 24.500 Unternehmensinsolvenzen aus (- 6 Prozent). Im kommenden Jahr rechnen sie allerdings das erste Mal seit fünf Jahren mit einem Anstieg der Insolvenzen um zwei Prozent auf dann 25.000. Grund dafür sind vor allem Schwierigkeiten im Export: Der Euroraum entwickelt sich wesentlich schwächer als erwartet, hinzu kommt eine sich verlangsamende Konjunktur in China und eine Rezession in Russland. 

Politische, wirtschaftliche und insolvenzrechtliche Risiken steigen
Die Kreditversicherer, die mit ihren Daten über zahlreiche Unternehmen weltweit auch als Risikonavigatoren für ihre Kunden fungieren, erkennen derzeit steigende politische, ökonomische und insolvenzrechtliche Risiken: "Krisenherde wie in Russland und der Ukraine, aber auch im mittleren Osten, in Südamerika oder in Asien haben für die Weltwirtschaft wieder erheblich an Bedeutung gewonnen", sagte Meurer. Die Ukraine-Krise und die bisher verhängten Sanktionen gegen Russland würden das deutsche Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um bis zu 0,2 Prozentpunkte belasten. Betroffen seien bislang vor allem Unternehmen mit starker Ausrichtung auf den russischen Markt, insbesondere aus dem Maschinenbau, dem Automobilsektor und der Chemiebranche. Meurer betonte, dass die Assekuranz den Unternehmen aber auch in einem schwierigen geopolitischen Umfeld weiterhin Deckung biete. So ließen sich etwa Geschäfte mit Russland nach wie vor gegen wirtschaftliche und politische Risiken versichern. Nach Schätzungen dienen zwischen 40 und 50 Prozent der Warenkreditversicherungen zur Absicherung von Exporten, die privaten Versicherer decken damit rund 15 Prozent der deutschen Ausfuhren und tragen so erheblich zur Exportstärke Deutschlands bei.

Neue und bislang unterschätzte Risiken sieht Meurer beim Thema Insolvenzanfechtung. Nach der deutschen Insolvenzordnung und jüngeren BGH-Urteilen müssen Lieferanten unter Umständen bis zu zehn Jahre lang bereits erhaltene Gelder zurückzahlen, wenn der Abnehmer zahlungsunfähig wird: Insolvenzverwalter fordern dazu mit wachsendem Erfolg Zahlungen vom Lieferanten zurück, die bereits Jahre vor der Insolvenz geleistet wurden. Mit Hinweis auf vereinbarte Ratenzahlungen oder Stundungen machen Insolvenzverwalter geltend, dass der Lieferant die drohende Insolvenz seines Abnehmers hätte erkennen können. Kann der Lieferant dann nicht das Gegenteil beweisen, muss er damit rechnen, das erhaltene Geld zurückzahlen zu müssen. "Durch die neue Rechtslage ist plötzlich ein sehr erhebliches, beinahe unkalkulierbares Risiko entstanden", so Meurer. Obwohl Kreditversicherer auch dieses Risiko versichern, sprach er sich für gesetzliche Änderungen aus: Der Anfechtungszeitraum sollte verkürzt und geschäftsübliche Vereinbarungen wie Ratenzahlungen und Stundungen zur Überbrückung wirtschaftlicher Krisen nicht als Indizien für eine Insolvenz anerkannt werden.
Kreditversicherer erwarten für 2015 wieder mehr Unternehmensinsolvenzen 
Kreditversicherer erwarten für 2015 wieder mehr Unternehmensinsolvenzen

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Burger-King-Franchiser Yi-Ko reicht Insolvenzantrag ein

Aktualisiert am Mittwoch, 10.12.2014, 16:58
dpa/K.-J. Hildenbrand/Symbol Die Parteien sind zu keinem Ergebnis gekommen.
Die Burger King GmbH des umstrittenen Franchisenehmers Yi-Ko hat Insolvenzantrag gestellt. Der Antrag ging am Mittwoch beim Amtsgericht Stade ein. Das Unternehmen sei nach eigenen Angaben überschuldet, sagte der Direktor des Amtsgerichts.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Burger King hat der umstrittene Franchisenehmer Yi-Ko Insolvenzantrag für seine Schnellrestaurants mit rund 3000 Beschäftigten gestellt. Der Antrag ging am Mittwoch beim Amtsgericht Stade ein. Das Unternehmen sei nach eigenen Angaben überschuldet, sagte der Direktor des Amtsgerichts, Willi Wirth.
"Der zuständige Insolvenzrichter prüft den Antrag und wird unverzügliche eine Entscheidung zu den vorläufigen Maßnahmen treffen." Der Insolvenzantrag wurde demnach für die Betreibergesellschaft Burger King GmbH von Yi-Ko gestellt.
Bei der von Yi-Ko beauftragten Anwaltskanzlei Graf von Westphalen war auch am Nachmittag niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

"Weg frei für einen kompletten Neuanfang"

Die Fast-Food-Kette sieht nun den "Weg frei für einen kompletten Neuanfang", wie sie erklärte. Das Amtsgericht werde nun zunächst einen vorläufigen Insolvenzverwalter benennen, der umgehend seine Tätigkeit aufnehme und sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschaffe. Man werde "eng mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter zusammenarbeiten und versuchen, schnellstmöglich eine Lösung für die Wiedereröffnung der Restaurants und die Sicherung der Arbeitsplätze zu finden", hieß es.
Zuvor hatte Burger King bereits bekanntgegeben, dass die Verhandlungen mit Yi-Ko über eine Lösung für die 89 geschlossenen Schnellrestaurants gescheitert seien. "Wir bedauern - vor allem mit Blick auf die Mitarbeiter – dass die Verhandlungen bislang noch zu keinem Ergebnis geführt haben", hatte ein Burger-King-Sprecher erklärt. Man werde weiter versuchen, eine Lösung für die rasche Wiedereröffnung der Restaurants und die Sicherung der rund 3000 Arbeitsplätze zu finden.

Rasche Wiedereröffnung weiter im Fokus

Burger King hatte seinem größten deutschen Franchisenehmer Yi-Ko im November fristlos gekündigt und den Schritt auch mit Vertragsverstößen begründet. Zuvor hatte es Wirbel um Hygieneverstöße und schlechte Arbeitsbedingungen gegeben.
Weil Burger King Yi-Ko die Nutzung von Marke und Firmenlogo verbieten ließ und die Filialen auch nicht mehr belieferte, mussten sie schon bald schließen. In den vergangenen Tagen hatte sich während eines Verhandlungsmarathons zeitweise eine Einigung abgezeichnet. So sagten die Parteien eine ursprünglich für Montag angesetzte Gerichtsverhandlung ab, offenbar, um die Gespräche nicht zu belasten.
In der Kürze der Zeit und mangels ausreichender Informationen sei es aber nicht möglich gewesen, "die potenziellen Risiken in der ehemaligen Yi-Ko abzuschätzen", hatte der Burger-King-Sprecher erklärt. Man werde weiter versuchen, eine Lösung für die rasche Wiedereröffnung der Restaurants und die Sicherung der rund 3000 Arbeitsplätze zu finden. Alleineigentümer von Yi-Ko ist nach einem Gesellschafterwechsel der Russe Alexander Kolobov. Dem Vernehmen nach war bei den Verhandlungen im Gespräch, dass er seine Anteile verkauft und neue Investoren die Schnellrestaurants weiterführen.

http://www.focus.de/finanzen/news/ueberschuldet-burger-king-franchiser-yi-ko-reicht-insolvenzantrag-ein_id_4336371.html 

Montag, 8. Dezember 2014

Coface Risk Conference 2015, Paris 27.01.2015


Program:

Morning

Moderator: Raphaël KAHANE,News Anchor, France 24

9h00: Introduction

Jean-Marc PILLU, Chief Executive Officer, Coface
 

9h15: Deflation - a trap for Europe?

Speaker:
Jean-PISANY-FERRY, Commissioner-general for Policy Planning, France stratégie

9h40: Will SMEs save Europe’s economy?

What role do SMEs play in the European recovery? Are they suffering more than other companies from the slow recovery? Do European economic policies allow European SMEs to fulfil their potential?
Speakers:
Nicolas DUFOURCQ, CEO, Bpifrance
Isabelle JOB-BAZILLE, Director Group Economic Studies, Chief Economist, Crédit Agricole
Nathalie KESTENER, Director Restagraf and Restagraf med (Tangier/Morocco)
Aurelio REGINA, Chairman, Manifatture Sigaro Toscano S.p.A.
 

11h15: Coface risk overview - advanced countries

Speaker:
Yves ZLOTOWSKI,
Chief Economist, Coface
 

11h35: What kind of technological innovation can speed up global growth?

How has the digital revolution transformed production processes, particularly in the industry sector? Are risks linked to the digital revolution under control? What is the next innovation likely to profoundly change the world economy?
Speakers:
Luc FERRY, Philosopher and former French Minister
Clara GAYMARD, Chairwoman and CEO, GE France
Eric LABAYE, President, McKinsey Global Institute, McKinsey & Company
Frédéric POTTER, President and founder, Netnamo
 

LUNCH

Afternoon

2h30: Risk and confidence: an inseparable couple?

Speaker:
Raphaël ENTHOVEN,
Philosopher
 

2h55: Coface risk overview - emerging countries

Speaker:
Yves ZLOTOWSKI,
Chief Economist, Coface
 

3h15: Should we be afraid of China's slowdown?

Which reforms and economic policies are the Chinese authorities putting in place to preserve growth? Which sectors in China are most risky? What impact will the Chinese slowdown have on advanced and emerging economies?
Speakers:
Stéphanie BALME,Researcher and professor, Sciences Po (CERI/PSIA)
Rocky TUNG, Economist, Coface Asia Pacific
Other speakers to be confirmed
 

4h20: Eurasia: the challenge of Russia

Is the reconstruction of a Eurasian space around Russia an economic and political reality or an illusion? Which countries in the Commonwealth of Independent States would benefit from a customs union? What impact on oil & gas markets?
Speakers:
Tobias BAUMANN, Director East and South East Europe, Central Asia, DIHK, German Chamber Association
Thomas GOMART,
Director of Strategic development, Ifri
Nataliya ORLOVA, Chief Economist, Alfa Bank (Moscow)
Philippe PEGORIER, Chairman, Alstom in Russia, Ukraine and Byelorussia, President of the Association of European Companies in Russia
 

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Coface stuft Russland und Türkei ab

Zwar erholt sich weltweit betrachtet das Wirtschaftswachstum. Coface sieht aber höhere Risiken in wichtigen Schwellenländern und stuft in ihrer Länderbewertung Russland, die Türkei und Venezuela herab. Diese Länder stehen nach Einschätzung des internationalen Kreditversicherers vor finanzwirtschaftlichen und politischen Herausforderungen.

Die Länderbewertung für Russland wird auf C herabgestuft. Die Krise in der Ukraine hat das Wachstum deutlich beeinflusst, es dürfte 2014 bei 0 Prozent liegen. Dies ist hauptsächlich auf nachlassende Investitionen und rückläufigen Konsum zurückzuführen. Darüber hinaus zeigten sich die Schwierigkeiten bei Investitionen bereits 2013 und spiegeln damit das mangelnde Vertrauen der russischen Marktteilnehmer in das Geschäftsklima wider. Ein deutlicher Beweis dafür sind die beträchtlichen Kapitalabflüsse aus Russland seit 2008. Auch berücksichtigt Coface in ihrer Bewertung die hohe Verschuldung russischer Unternehmen in Auslandswährungen. Der begrenzte Marktzugang aufgrund der aktuellen Sanktionen sowie der sinkende Rubelkurs führt bei Unternehmen im Laufe des nächsten Jahres zu erheblichen Rückzahlungen.

Die Länderbewertung der Türkei stuft Coface auf B herab. Während sich die Wirtschaftskraft stabil zeigt – Coface prognostiziert 3,3 Prozent Wachstum für 2014 -, bleibt auf Unternehmensseite die Auslandsverschuldung hoch. Unternehmen sind daher einem erhöhten Fremdwährungsrisiko ausgesetzt sind. Die Lira hat sich als sehr volatil und empfindlich bei Veränderungen der Währungspolitik der Fed erwiesen. Auch die Zahlungserfahrungen von Coface mit türkischen Unternehmen haben sich deutlich verschlechtert. Auf politischer Ebene ist es sehr wahrscheinlich, dass die wachsenden Spannungen an den Ländergrenzen die innere Stabilität beeinflussen.

Venezuela ist nun auf D herabgestuft. Das Land rutschte in die Rezession (-2,5 %) und Hyperinflation (64 % im Jahr 2014), angeheizt durch Warenmangel und angesichts politischer und sozialer Spannungen. Das Risiko der Verstaatlichung und vor allem die Rationierung von Importen und die Kontrolle über Preise und Gewinnspannen werfen einen Schatten auf das sehr schwierige Geschäftsklima für Unternehmen.

In der Eurozone beobachtet Coface einen Vertrauensverlust der Wirtschaft im zweiten Quartal, der durch die Spannungen in der Ukraine und das Deflationsrisiko noch weiter geschürt wird. Aufgrund ungünstigerer Aussichten für Deutschland (1,6 %), Frankreich (0,4 %) und Italien (-0,2%) werden die Wachstumsprognosen leicht nach unten auf 0,9 Prozent korrigiert. In Spanien dagegen wird die positive Dynamik mit einer Wachstumsprognose von 1,2 Prozent für 2014 und 1,7 Prozent für 2015 bestätigt. Die wiederauflebende Inlandsnachfrage, die Verbesserung der Finanzlage von Unternehmen, steigende Exporte und eine sinkende Zahl von Insolvenzen tragen zur Verringerung der Risiken in Spanien bei. Diese Verbesserungen veranlassten Coface, die seit Juni dieses Jahres bestehende Bewertung B mit „positive watch“ auf A4 zu setzen. Auch die A3-Bewertungen der Niederlande und Belgiens ergänzt Coface nun mit Ausblick auf Aufwertung. Gestützt durch Exporte sind beide Länder auf den Wachstumspfad zurückgekehrt. Coface beobachtet steigende Investitionen und sinkende Insolvenzzahlen bei Unternehmen.

Quelle: Coface

http://www.coface.de/News-Publikationen-Events/News/Coface-stuft-Russland-und-Tuerkei-ab